E&Z-forsa-Umfrage: Drei Viertel der Deutschen finden Tierwohl-Label notwendig
Eine große Mehrheit der Bundesbürger würde sich beim Lebensmitteleinkauf von einem Siegel für geprüftes Tierwohl leiten lassen und sieht die Landwirte in der Hauptverantwortung für das Wohlergehen der Tiere. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer repräsentativen forsa-Umfrage unter 1.000 Deutschen ab 14 Jahren im Auftrag von Engel & Zimmermann.
Dabei sprachen sich 74 Prozent für ein entsprechendes Label aus; nur 23 Prozent wäre das Siegel nicht so wichtig, das Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner für Fleisch-, Eier- und Milchprodukte mit besonders hohem Tierschutzstandard plant. Frauen (80 Prozent) würden sich dabei mehr als Männer (68 Prozent) an der Kennzeichnung beim Einkauf orientieren.
Auf die Frage, was die Verbraucher in erster Linie unter dem Begriff Tierwohl verstehen, gab ein Großteil gute Haltungsbedingungen an: 90 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass mehr Platz im Stall unter den Begriff fällt, für 89 Prozent ist mehr Auslauf besonders wichtig. Artgerechte Tiertransporte (87 Prozent) und stressfreie Schlachtung (82 Prozent) sind für viele ebenfalls assoziiert mit dem Wohlergehen von Nutztieren. Eine längere Aufzucht finden zwei Drittel wichtig. Hauptverantwortlich für das Tierwohl sind nach Ansicht der Verbraucher die Landwirte (41 Prozent). Erst danach werden die Verbraucher selbst (26 Prozent) und der Staat (20 Prozent) in der Pflicht gesehen; Hersteller (sechs Prozent) und Händler (drei Prozent) werden deutlich weniger genannt.
„Die Sensibilität der Verbraucher für Tierhaltungs- und Lebensmittelthemen steigt, sie erwarten zunehmend einen offeneren Dialog“, resümiert Engel & Zimmermann-Vorstand Frank Schroedter. „Landwirtschaft, Fleischindustrie und Handel müssen vor diesem Hintergrund unbedingt glaubwürdig kommunizieren und dem Konsumenten aufzeigen, welche Tierhaltungsstandards er zu welchem Preis erwarten kann.“ In einer ähnlichen forsa-Umfrage für Engel & Zimmermann vor sechs Monaten hatten sich über 90 Prozent der Verbraucher unzufrieden mit dem Informationsangebot der Lebensmittelhersteller gezeigt. Fast drei Viertel der Bevölkerung beklagten sich darin, dass Produkteigenschaften nicht ausreichend erklärt werden, 79 Prozent forderten bessere Informationen über Rohstoffherkunft und Produktionsbedingungen.
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Food, Wir in den Medien
Liebes E&Z-Team, was sollte auch anderes bei der Umfrage raus kommen? Wirklich interessant wäre gewesen, wenn Sie auch nach der Bereitschaft der Verbraucher gefragt hätten, wie viel der Verbraucher bereits ist, dafür zu zahlen? Bekanntlich klafft zwischen Moral und Einkaufsverhalten eine riesige Lücke. Bevor ich meinen Lebensstil einschränke, spare ich bei den Lebensmitteln. Das war so und wird immer so sein – für einen Großteil der Verbraucher. Wie erklären Sie sich sonst den enormen Strukturwandel in der Tierhaltung: bei einem Gewinn von 15 Cent je Hähnchen muss mein Stall wie groß sein?
Siehe auch
Große Kluft zwischen Moralvorstellung und Einkaufverhalten (http://www.ifhkoeln.de/billig-discounter_in_der_kritik_ifh-studie_belegt.php)
Wohlergehen ist dem Verbraucher zu wenig wert (http://ideas.repec.org/p/ags/gewi11/115359.html)
EU-Umfrage Tierschutz (http://ec.europa.eu/food/animal/welfare/euro_barometer25_en.pdf)
Why European consumers do not buy more animal welfare friendly foods? (http://www.welfarequality.net/everyone/38781/7/0/22)
usw., usw.
Fazit. Ohne Berücksichtigung des Einkaufsverhalten helfen Umfragen zur Moral dem Landwirt kaum weiter
Hallo Frau Müller, vielen Dank für den Beitrag. Natürlich klappt zwischen Wunsch und Wirklichkeit bei vielen Dingen eine Lücke, nicht nur beim Einkaufsverhalten von Fleisch. Die spannende Frage ist dennoch, ob ein Siegel einer Produktgattung zum Erfolg verhelfen kann. Wir bleiben hier dran…